Recyceln statt Herstellen

Wie genau das funktioniert und vor allem, wie die aus dem Recyclingprozess gewonnenen Rohstoffe wieder zurück in den industriellen Kreislauf gelangen, darüber konnten sich die Besucher auf der Sonderfläche „Gelebte Kreislaufwirtschaft – Stoffstrom Aluminium“ der Internationalen Fachmesse für Abwassertechnik (IFAT) informieren. Alle zwei Jahre findet diese Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft in München statt.

„Bislang haben sich solche Messen immer auf die eigentlichen Recyclingdienstleistungen beschränkt. Uns hat diesmal aber interessiert, wie es danach weitergeht, wie die Rückführung in den Kreislauf klappt“, erklärt Peter Kurth, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V. (BDE), die Idee hinter diesem Stand.

Und diese Rückführung klappt ausgesprochen gut. „Der Anwender kann heutzutage nicht mehr unterscheiden, ob ein Pressbolzen aus der Primärproduktion stammt oder ein Recyclingprodukt ist“, versichert Walter Lonsinger, Vorsitzender der Initiative „Aluminium und Umwelt im Fenster- und Fassadenbau e.V.“ (A/U/F), die ihren Stand auf Einladung des BDE auf der Sonderfläche aufgebaut hatte. Die A/U/F hat sich zum Ziel gesetzt, ausgediente Fenster-, Türen- und Fassadenprofile aus Aluminium wieder aufzubereiten und daraus neue Profile herzustellen. Mehr als 200 Unternehmen aus den Bereichen Metallbau, Systemhäuser und Bauelemente sind bereits A/U/F-Mitglieder.

Der geschlossene Recycling-Kreislauf funktioniert laut Lonsinger bei Aluminium deshalb so gut, weil es beim Recycling nicht an Qualität verliert und beliebig oft wiederverwertet werden kann. Eventuelle Rückstände können thermisch verwertet und mechanisch entfernt werden. Der große Vorteil des Recyclings ist die Energieeinsparung: Sekundäraluminium benötigt nur fünf Prozent der Energie, die zur Herstellung von Primäraluminium aufgewendet werden muss. Auch der Ausstoß von Kohlendioxid ist entsprechend geringer.

Die Besucherresonanz zur Sonderausstellung, deren Schwerpunkt auf der Dose aus Aluminium lag, bewertet Lonsinger als sehr positiv und hat festgestellt: „Die Leute beschäftigen sich immer mehr mit Stoffkreisläufen.“ Viele Interessierte seien auf ihn zugekommen und hätten ihn nach den Recyclingmöglichkeiten, deren Kosten und der Umweltbelastung gefragt. Der Recycelprozess wiederholt sich bei einer Aluminiumdose übrigens etwa alle zwei Monate: „Vom Befüllen bis zum Wiederbefüllen vergehen im Durchschnitt 60 Tage“, verdeutlicht BDE-Chef Kurth.

Auch über die Rückgewinnung des Aluminiums aus der Müllverbrennung konnte man sich in der Ausstellung informieren. Dafür werden die Aluminiumrückstände kurzzeitig magnetisiert und von der restlichen Verbrennungsasche getrennt. Aufgewertet wurde die Sonderschau durch ein Beispiel von „Virtual Reality“: Über eine spezielle Brille konnte man in einem 360-Grad-Film den gesamten Stoffstrom des Aluminiums nachverfolgen – so fand sich der Besucher nacheinander beispielsweise auf dem Schrottplatz, in einem Aluminiumwerk oder im Supermarkt vor einem Pfandautomaten wieder.

Bei der nächsten IFAT soll es eine Sonderfläche zum Thema Kunststoff geben, blickt Kurth auf das Jahr 2020 voraus.